Eine potenziell tödliche Gefahr

Gesund war ich von der ersten Sekunde meines Lebens nicht, ich komme mit mehreren Herzfehlern auf diese Welt. Einer davon ist ein Loch in der Herzscheidewand zwischen dem linken und rechten Vorhof, Vorhofseptumdefekt nennen das die Mediziner.

Zudem leide ich seit meiner Kindheit an schweren Herzrhythmusstörungen. Bei diesen Attacken fängt mein Puls blitzartig an zu  rasen, von einer Sekunde zur nächsten pumpt mein Herz wild, chaotisch, als wäre es dem Irrsinn verfallen.

Für mich ist mein Herz keine störungsfrei arbeitende Pumpe, wie für die meisten Menschen, sondern Risikofaktor Nummer 1 in meinem Leben – eine potenziell tödliche Gefahr.

Operation am offenen Herzen

Im Alter von Anfang 20 wird die gefährliche Öffnung zwischen der linken und rechten Herzseite durch eine Operation an der Universitätsklinik Tübingen geschlossen.

Der Eingriff sei meine einzige Chance, älter als 30 Jahre zu werden, hatten die Ärzte mit verkündet. Die Operation gelingt. Doch leider erwartet mich danach auch eine herbe Enttäuschung: Meine Herzrhythmusstörungen sind nicht, wie erhofft, verschwunden, nein, sie kehren kartnäckig zurück.

Seit damals schlucke ich starke Medikamente, bis heute jeden Tag fünf oder mehr Pillen. Ab Mitte der neunziger Jahre verschlechtert sich der Zustand meines Herzens weiter dramatisch. Ich leide nun unter multiplen Herzrhythmusstörungen: Vorhofflimmern, Vorhofflattern, atriale Tachykardien, Bigeminus unterscheiden die Experten.

Stromstoß direkt durchs Herz

Rettung bringen mir nur noch sogenannte Kardioversionen. Bei einer Kardioversion wird unter Narkose ein Stromstoß direkt durch das Herz gejagt, ähnlich wie es jeder Fernsehzuschauer aus Krankenhausserien kennt, wenn ein Patient wiederbelebt wird.

In den folgenden Jahren muss ich mich in Notaufnahmen und auf Intensivstationen rund 30-mal elektrokardiovertieren lassen. „Stromen“ oder „grillen“ nennen das die Mediziner gern.

Nach dem Jahr 2000 nehmen Ärzte an der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg sogenannte Ablationen an meinem Herzen vor. Dabei gehen Professor Karl-Heinz Kuck, Leiter der dortigen Kardiologie und einer der erfahrensten Mediziner für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, mit verschiedenen Kathetern in mein Herz und zerstören Gewebe in meinen Herzkammern.

Hoffen auf die Zukunft

Zweck dieser Abenteuer: Die Ursprungsherde meiner Herzrhythmusstörungen sollen eliminiert werden. Mein Herzinneres wird zu einem geschätzten Ausflugsziel für Kardiologen.

Das Ergebnis nach vier Ablations-Aktionen: Drei meiner Rhythmusstörungen sind erfolgreich beseitigt. Vorhofflimmern aber bedrängt und quält mich weiter massiv.

Ohne die Herzoperation, ohne die Medikamente, ohne die Elektrokardioversionen – ich wäre ohne die neuzeitliche Heilkunst schon mehrfach gestorben. Zweifellos verdanke ich mein Leben der modernen Medizin.

Ich hoffe auf die Zukunft. Vielleicht können mich die Mediziner ja irgendwann gesund machen. Einfach nur gesund.

Joachim Mohr im Krankenhaus

 

Und wenn mich einer nach meinem Hobby fragt, also was ich wirklich gern mache, dann sage ich immer: Überleben." Dieter Nuhr

 

Joachim Mohr beim Joggen im Park